Karriere-Coach Nicole Hobiger-Klimes im Interview

Karriere-Coach Nicole Hobiger-Klimes im Interview

Nicole Hobiger-Klimes ist Karriere-Coach, Unternehmensberaterin und leitet seit mehr als 10 Jahren erfolgreich das Institut QuantenSprung für Meditation und Achtsamkeit. Als Kolumnistin für das österreichische Frauenmagazin WOMAN bringt sie 14-täglich 270.000 LeserInnen ihre Herzensthemen näher, und im September 2021 hat sie bei ihrem ersten Auftritt als Rednerin beim 7. Österreichischen Speaker Slam gleich zwei Preise gewonnen. Im Video-Interview erzählt die Powerfrau, wer ihre LieblingskundInnen sind, wann ein Business Coaching Sinn macht und was Dankbarkeit mit Business-Erfolg zu tun hat.

Jasmin Reif-Medani | der-text: Du bietest individuelles Business Coaching an – wer ist Dein idealer Kunde oder Deine Lieblingskundin? Mit welchen Themen kommen Deine Kundinnen zu Dir ins Coaching und wie unterstützt Du sie?

Nicole Hobiger-Klimes: Jeder Kunde und jedes Thema ist natürlich ganz verschieden, das ist ja das spannende an meinem Beruf. Aber wenn du mich fragst, wo ich in den letzten Coachings selbst den meisten Spaß hatte… dann fällt mir das ein: Das Ausbildungsinstitut SeminarConsult von Sabine Prohaska, wo auch ich die Ausbildung absolviert habe, führt eine Liste mit 10 Coaches, die sie empfehlen. Es ist eine qualitativ sehr hochwertige Liste. Es war jahrelang ein Ziel von mir, auf dieser Liste zu stehen. Und ich habe es geschafft!

Jeder in der Ausbildung muss auch verschiedene Einheiten als Coachee nachweisen, also Stunden bei einem zertifizierten Coach als Klient absolviert haben. Somit verirren sich viele Coaches zu mir, die selbst auch Coach werden wollen. Das hat zum einen den Vorteil, dass ich nichts erklären muss, wir können sofort einsteigen, sie haben sich meist schon das Thema im Detail überlegt und einige sogar schon ausformuliert. Also top vorbereitet.

Was jetzt aber der Spaß daran ist: Wenn die Einheit vorbei ist, dann biete ich jenen Coaches in Ausbildung an, mir als Coach mit über 10 Jahren Erfahrung eine Frage zum Beruf zu stellen. Und das ist genial.

Hier kann ich ihnen einen Mehrwert bieten, mit dem sie nicht rechnen – und jetzt könnte man sagen, was ist, wenn da niemandem etwas einfällt. Ich bin seit 4 Jahren auf der Liste, und es war immer mehr als nur eine Frage. Diesen Klient*innen konnte ich wirklich Mehrwert liefern und somit wären das vielleicht die idealen Kunden, wenn man so will.

Jasmin Reif-Medani | der-text: Woher weiß ich, dass ich ein Business Coaching brauche und dass es mir weiterhelfen würde? Gibt es so etwas wie „Anzeichen“ dafür?

Nicole Hobiger-Klimes: Für mich ist es immer eine Frage der Zeit – Coaching ist ein Luxusgut in meinen Augen. Denn es schenkt dir Zeit. Nehmen wir das Thema “Unzufrieden im Job”. Wenn ich in einem Beruf nicht glücklich bin, nicht weiß warum ich das tue, nicht gern in die Arbeit fahre, es als Mittel zum Zweck sehe oder mich jedes Mal ärgere, wenn ich den Gehaltszettel bekomme, wenn keine gute Stimmung im Team ist… und und und.. dann sind das alles Zeichen für mich. Da gäbe es Hunderte. Und da waren wir jetzt nur mal beim Jobwechsel.

Wenn ich mir ein einziges Mal andere Stellenanzeigen ansehe, dann würde bei mir schon der Hut brennen. Und die Alarmglocken schon läuten.

Nicht beim ersten aufkeimenden Ärger in der ersten Arbeitswoche oder bei der ersten Überforderung, das meine ich nicht. Es geht auch nicht bei jedem Business Coaching um Jobwechsel. Aber in den letzten 2 Jahren waren schon einige dabei. Da gibt es immer wieder Zahlen dazu – Umfragen, wie viele Österreicher sich einen Wechsel vorstellen können. Das ist glaube ich fast jeder 4te – in meinen Ohren ist das viel.

Bin ich zu 100% happy im Job und mit dem Job, dann ist das großartig. Allen anderen würde ich ein Coaching ans Herz legen. Denn ganz oft fehlt einem nur ein Perspektivenwechsel, und schon geht es wieder. Das Gefühl, man kann etwas beitragen, zum Beispiel zum Betriebsklima, dem Umgangston, der internen Kommunikation. Und das kann man.

Will ich das Thema allein mit mir durchkauen und dafür vielleicht 2 Jahre verwenden, oder es bei jedem Treffen mit den Freundinnen durchbesprechen und Jahre damit verbrauchen? Oder will ich meine Fähigkeiten so gut eingesetzt wie nur möglich wissen – dann bin ich sicher mit einem Coach gut bedient. Weil hier reflektiert wird, Fragen gestellt werden, mit denen man nicht rechnet. Ein Blickwinkel eingenommen wird, den vielleicht Freunde und Partner nicht einnehmen können.

Perspektive spielerisch mal gewechselt werden kann. Deswegen ist die Frage,  wie viel Zeit hat man – denn der wahre Luxus auf Erden ist ja bekanntlich Zeit. Also, wie viele hunderte Stunden willst du verstreichen lassen…? Wenn ich ein Thema habe, probiere ich es auch zuerst selbst – aber nicht ewig, weil es genügend Sparring Partner gibt, um hier rasch zum Ziel zu kommen. Also nicht erst zum Coach gehen, wenn es schon darum geht: Wie kann ich das aushalten, oder welche Richtung will ich nach dem Job einschlagen? Sondern schon viel früher.

Selbständige haben wir noch gar nicht hier ins Auge gefasst, auch wenn bei ihnen das Geld oft noch enger sitzt – gerade hier lohnen sich Coachings und Beratungen, weil man sich damit pusht und viele Extrarunden sparen kann. Und gemeinsam geht es einfach schneller zum Ziel.

Immer mehr Top-Führungskräfte lassen sich regelmäßig coachen, weil unsere Zeit schnelllebig ist und wir flexibel bleiben müssen, um nicht ausgebrannt zu werden und ein Team gut halten zu können. Je früher man etwas erkennt oder gegensteuert, desto leichter ist alles.

Führung hat auch immer etwas mit Selbstführung zu tun, das haben die Personen an den Spitzenstellen schon erkannt. Somit steht ihr Erfolg und auch der Erfolg des Teams mit der eigenen Person in Verbindung.  Persönlichkeitsentwicklung und Erkennung von Mustern, Achtsamkeit usw. werden immer wichtiger und dafür sind Coachings ideal.

Jasmin Reif-Medani | der-text: Du bist ja nicht nur Business Coach, sondern auch Ausbilderin für Meditationsleitung, Unternehmerin und Buchautorin. Wie bist Du zu dieser Vielfalt gekommen, und wie greifen die einzelnen Bereiche Deiner Tätigkeit ineinander?

Nicole Hobiger-Klimes: Früher war ich mir sicher, dass es nicht zueinander passt. Es war anstrengend, am Tag Coachings zu haben und am Abend noch einen Meditationskurs zu leiten. Aber nur im Kopf machte ich es mir anstrengend, weil ich dachte, ich muss eine Rolle wechseln. Doch irgendwann hat es dann “Klick” gemacht.

Aber wenn ich hier von Coaching spreche, dann meine ich die 1:1 Sitzung. In dieser Sitzung habe ich eine Wertehaltung, also Coach bin neutral. Der Berater ist wie ein Arzt, der sagt dir: Sie haben den Knochen gebrochen, Sie brauchen jetzt einen Gips, den bekommen Sie dort und gegen die Schmerzen können Sie das nehmen. Der Trainer, sagen wir der Sprachtrainer, sagt: Du kannst die Sprache nicht. Er kann die Sprache und bringt sie Dir bei. Der Coach hingegen bringt dir weder etwas gezielt bei, was er vorher vorbereitet hat, noch sagt er dir, was du seiner Meinung nach machen sollst.

Er ist neutral und wertfrei. Wie eben eine Meditation es auch sein sollte. Genau so begegne ich auch den Teilnehmer*innen in einem Seminar, nur dass ich weniger Fragen stelle.

Ein Coach ist ein Begleiter zu deinem Ziel. Er muss das Ziel auch nicht gut finden. Wenn jemand in einem für ihn schwierigen Job bleiben will, dann werde ich dazu begleiten, den Stress, die Anfeindungen usw. auszuhalten. Es steht mir nicht zu, zu sagen: “Bitte sehen Sie es doch ein, lassen Sie es, kündigen Sie.” Natürlich stelle ich Fragen, und die Frage “Warum nicht kündigen?” wird sicherlich kommen. Aber neutral, ohne den Klienten in eine Richtung zerren zu wollen.

In der Meditation wird auch jede Erfahrung bemüht wertfrei wahrgenommen. Es sind mehr Ähnlichkeiten erkennbar als ich anfangs gedacht habe.

Auch das Klischee, Coaching ist nur für Führungskräfte, und Meditation ist nur für Esoteriker und Menschen auf einem Selbstfindungstrip, ist längst überholt. Hier gibt es längst Überschneidungen.

Jasmin Reif-Medani | der-text: Kann man mit Meditation allein anfangen, sich die Techniken sozusagen selbst beibringen?

Nicole Hobiger-Klimes: Ja klar, man braucht kein Sitzkissen, man braucht nicht mal einen ruhigen Ort. Man braucht gar nichts. Man muss auch die Augen nicht schließen. Es geht immer und überall.

Die Frage ist nur, will ich einmal meditieren oder möchte ich in den vollen Genuss der Vorzüge kommen? Dann ist nämlich Regelmäßigkeit das Geheimnis. Und hier ist es einfach super, zu Beginn immer den selben Ort, vielleicht sogar den selben Tageszeitpunkt zu wählen. Aus Erfahrung kann ich sagen, die meisten tun sich mit einer Anleitung anfangs einfach leichter und erzielen schneller spürbare Ergebnisse, was sie natürlich motiviert, dran zu bleiben.

Das ist auch der Grund, warum ich Meditationen über meine Webseite im Shop anbiete. Man kann verschiedene Meditationen ausprobieren. Wir Menschen sind so unterschiedlich und nicht jede Meditationsübung oder Atemtechnik ist für jeden gleich angenehm. Somit ist es erlaubt, spielerisch heranzugehen, das senkt den Druck. Es muss nicht beim ersten Versuch klappen.

Jasmin Reif-Medani | der-text: Wenn man für sich selbst den Bogen spannt und sein Business achtsam ausrichtet, die Vorteile von Dankbarkeit und Meditation kennt und für sich nutzt – verändert das den Erfolg als Unternehmer*in?

Nicole Hobiger-Klimes: Bei dieser Frage muss man sofort eines anmerken: Geld ist für mich kein Erfolgskriterium. Ich habe Erfolg für mich ganz anders definiert. Und in meinen Seminaren sitzen oft Menschen, die wesentlich mehr Geld haben als ich, oder um das zigfache mehr Mitarbeiter, und dennoch wollen sie von mir etwas lernen. Das ist das Spannende. Weil jeder den Erfolg für sich anders definiert und ich der tiefen Überzeugung bin, dass Geld zwar etwas Tolles ist, aber eben nicht erfolgreich macht.

Wenn ich nicht in meiner Mitte bin, kann das Bankkonto noch so schön aussehen, ich fühle mich miserabel und erfolglos. Wenn ich in meiner Mitte bin, kann ich aus wenig sehr viel machen und etwas bewegen, das man in Geld nicht aufwiegen kann.

Und jetzt kommt eine kleine Weisheit:

Ein Aikido-Schüler sagte zu seinem Meister: „Du fällst niemals aus deiner Mitte.“

Der Meister lächelte und antwortete: „Ich falle sehr oft aus meiner Mitte, doch ich weiß schnell wieder in meine Mitte zu kommen. Du bemerkst es nur nicht.“

Das nenne ich erfolgreich! Wenn ich zu mir stehen kann, mich traue zu sein, wer ich will, meine Träume verwirklichen kann, meine sozialen Netze harmonisch ablaufen, ich Zeit für mich habe, für meine Familie, meinen Beruf und meine Vision – dann fühle ich mich im Flow.

Ich könnte mich nicht erfolgreich fühlen, wenn ich etwas tue, was nicht meinen Werten entspricht. Somit habe ich mir einen Erfolgsbegriff geschaffen, der mich obendrein gesund hält und unabhängig vom Bankkonto. Denn das, was da drauf ist, kann ich beim letzten Atemzug sowieso nicht gebrauchen. Aber eine liebende Hand mit strahlenden Augen sicherlich sehr wohl. Wer so wie ich schon mehrmals mit dem Thema Tod konfrontiert war, der weiß ganz genau, worauf es im Leben ankommt, nämlich auf ganz subtile Dinge. Nichts, das man angreifen könnte. Nichts, das man beschreiben könnte und sicherlich nichts, das man um Geld kaufen könnte.

Wenn ich alt bin und an den heutigen Tag zurückblicke und mein Herz in dem sehe was ich tue, dann war es ein erfolgreicher Tag. Wenn ich ich war und mein bestes gegeben habe für das, wovon ich überzeugt bin. Mich eingesetzt habe, um eine Bereicherung zu sein.

Alles, was ich tue und das zu meiner großen Vision, zu meinem Lebensanliegen passt, macht mich erfolgreich.

Erfolg ist, wenn man es schafft, das zu tun, was einem wirklich wichtig ist. Das zu tun, was einem Zufriedenheit schenkt. Das zu tun, wofür man steht.

Nach meiner täglichen Yoga- und Meditationseinheit fühle ich mich auch erfolgreich, weil ich weiß, warum ich es mache, weil ich mich danach großartig fühle, und weil ich mir die Lebenszeit nehme, meine beste Version nicht nur darzustellen, sondern auch wirklich zu sein.

Erfolgreich ist ein Mensch, wenn er mit sich im Reinen ist. Ganz nach dem Motto: Nicht, wie du über diejenigen sprichst, die du gern hast, sondern wie du über jene sprichst, die du nicht sympathisch findest. Das zeichnet einen Menschen aus.

Der Erfolg ist eine innere Haltung.  Jemand kann in einer kleinen 2-Zimmerwohnung glücklicher, gesünder und auch erfolgreicher sein als ein berühmter Investmentbanker in seinem 2.000-Quadratmeter-Anwesen. Wie auch in der Meditation das Innere zählt.

Mehr von und über Karriere-Coach Nicole Hobiger-Klimes gibt es hier:
www.nicolehobigerklimes.at, facebook.com/NicoleHobigerKlimes,
Instagram: @nicolehobigerklimes

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